Inhaltsübersicht
Sokar Nr. 9


2/2004
5. Jahrgang
56 Seiten
111 Fotos/Abb.

Vom Baumeister zum Gott
Die posthume Karriere des Imhotep
von Alexandra von Lieven
Der Name Imhotep mag bei manchem heutigen Leser die Assoziation von rachsüchtigen Mumien wecken, da einige Filme dieses Genres ihren Protagonisten so nennen. Dahinter verbirgt sich jedoch bestenfalls eine vage Erinnerung daran, daß es tatsächlich eine Gestalt dieses Namens im Alten Ägypten gab, die unter anderem als großer Magier angesehen wurde. Wer war dieser Imhotep?
Seite 4–8

Neues von den Grabungen des DAI Kairo an der Knickpyramide
Die Frühjahrskampagne 2004
von Rainer Stadelmann
Das Deutsche Archäologische Institut setzte vom 13. April bis 23. Mai 2004 die Grabungen am Pyramidenfriedhof der 4. Dynastie in Dahschur fort. Wie in den beiden letzten Jahren konzentrierten sich die diesjährigen Arbeiten auf die Kultanlagen um die Knickpyramide und die Vermessung im Inneren. Zur Roten Pyramide hin wurden kleinere Nachmessungen unternommen. Vorangegangen war eine zweiwöchige Aufarbeitungskampagne und eine anschließende Kartographierung der Punkte und des Vermessungsnetzes an der Knickpyramide.
Seite 9–11

Der Serviceschacht der Cheops-Pyramide
Bemerkungen zur Konstruktion des Verbindungsschachtes zwischen Großer Galerie und absteigendem Korridor
von Michael Haase
Das Innenleben der Cheops-Pyramide hebt sich aufgrund seiner strukturellen Komplexität deutlich von denen anderer Königsgräber des Alten Reiches ab. Kein anderes Kammersystem wurde dermaßen hoch in das Kernmauerwerk ausgedehnt. In keiner anderen Pyramide jener Zeit findet sich eine derart ungewöhnliche räumliche Verteilung der Kammern und Korridore. Das Kammersystem der Cheops-Pyramide kann strukturell in zwei Bereiche unterteilt werden: einen unteren, zumeist unterirdischen Abschnitt und einen komplexeren, im Kernmauerwerk der Pyramide konstruierten Teil. Neben dem Übergang vom unteren in den oberen Bereich, der sich ca. 27,40 m vom ursprünglichen Pyramideneingang entfernt in der Decke des absteigenden Korridors befindet, existiert noch eine zweite Verbindung zwischen beiden Kammerbereichen: ein aus verschieden langen und unterschiedlich orientierten Abschnitten aufgebauter Schacht, der die Große Galerie mit dem unteren Teil des absteigenden Korridors verbindet und eine wichtige Servicefunktion in der Cheops-Pyramide innehatte.
Seite 12–17

Die Chephren-Pyramide
Ihre Baugeschichte von der topographischen Situation am Standort vor Baubeginn bis zum Plan des Kammersystems
von Jürgen Becker
König Chephren kehrte nach kurzer Regentschaft seines Bruders Djedefre und dessen Pyramidenbau in Abu Roasch etwa 8 km nordwestlich von Giza mit seinem Pyramidenbezirk wieder auf das Giza­Plateau zurück. Er wählte für seinen Grabbau ein Areal südwestlich des Grabmals seines Vaters Cheops auf einem etwas höheren Felsniveau aus. Seine Pyramide ist das Ergebnis einer im frühen Baugeschehen geänderten Planung. Wie im 1. Teil des Artikels (Sokar 8, S. 6-17) dargelegt, indiziert eine ganze Reihe örtlicher Befunde einen ursprünglichen Bauplan, der eine größere Pyramide mit einer Kantenlänge von 240,50 m (458 Ellen) und einer Höhe von 160,33 m (305,33 Ellen) vorsah. Sie hätte bei (mit der realisierten Pyramide) positionsgleicher Süd-West-Ecke um je 25,20 m (48 Ellen) weiter nach Norden und Osten ausgegriffen und die Cheops-Pyramide um fast 14 m an Höhe übertroffen. Diese so konkret rekonstruierbare Erstplanung ist konstruktiv schlüssig. Sie entspricht überdies grundsätzlich dem in der 4. Dynastie für Königsgräber geltenden Architekturschema der Positionierung der Pyramideneingänge sowie der Anordnung der Gang- und Kammersysteme zu den Zentralachsen der Pyramiden. Von dieser Erstplanung ist auszugehen, wenn man es unternimmt, die Entstehung der zweitgrößten Pyramide Ägyptens in den Grundzügen nachzuzeichnen und ihre Baugeschichte vorzulegen, für die in hohem Maße die natürlichen Geländeverhältnisse des Bauplatzes bestimmend waren.
Seite 18–27

Die bewegte Geschichte der Mastaba Seschemnofers III. (G 5170)
von Ingrid Gamer-Wallert
Die »Tübinger Mastaba« bildet eine der Hauptattraktionen des Museums von Schloß Hohentübingen. Gemeint sind damit üblicherweise 39 in feinstem Relief verzierte Kalksteinblöcke unterschiedlicher Größe – der komplette Wandschmuck der Opferkammer eines Grabes der 5. Dynastie. In sorgfältig geschnittenen Hieroglyphen berichten sie von Seschemnofer III., der einst »Vorsteher der königlichen Urkundenschreiber« war, den sein Herr zudem schätzte als »Vorsteher der beiden Waffenhäuser«, Richter und Gauverwalter, der »im Herzen seines Herrn war«, und der gegen Ende seines Lebens mit zusätzlichen Titeln wie »Leiblicher Sohn des Königs«, Fürst, Kammerherr, Vorlesepriester, Oberrichter, Vezier, »Gefolgsmann des Min«, »Vorsteher jeder Arbeit des Königs«, »der in alle Befehle des Königs Eingeweihte«, »der in die Geheimnisse des Morgenhauses Eingeweihte«, »der Einzige Freund« (des Königs) geadelt worden zu sein scheint.
Seite 28–34

Tore in die Vergangenheit:
Die Ägyptisch-Orientalische Sammlung im Kunsthistorischen Museum Wien
Die Denkmäler des Alten Reiches
von Regina Hölzl
Seite 35–39

Internationale Ägyptologische Konferenz
»Kunst und Archäologie des Alten Reiches«

(Prag, 31. Mai - 4. Juni 2004)
Ein Überblick von Jaromír Krejcí
Seite 40–41

Der Sarkophag Sesostris’ III. in seiner Pyramide in Dahschur
von Arno Sauerbier
Das Pyramidenfeld von Dahschur wird heute von den beiden gewaltigen Pyramiden des Snofru und dem schwarzen Ziegelkernstumpf der Pyramide des Amenemhet III. geprägt. Nur ein Krater aus Ziegelresten zeugt von der Nekropole Sesostris’ III., die eine der größten Pyramidenkomplexe der 12. Dynastie war. Unter diesem traurigen Rest einer Pyramide hat sich die Grabkammer weitgehend unversehrt erhalten und birgt einen Sarkophag, der in seiner Architektur erstmals den politischen und religiösen Anspruch des Herrschers symbolisch darstellt. Architekturdualismus vereint Oberägypten mit Unterägypten und interpretiert die Jenseitsvorstellungen dieser Zeit.
Seite 42–45

Sesostris – ein Held und sein Name
von Joachim F. Quack
Wenn ein heutiger Ägyptologe gefragt wird, welcher ägyptische Herrscher am meisten als militärischer Held zu betrachten ist, wird er mutmaßlich Thutmosis III. vorschlagen, dessen zahlreiche Feldzüge nach Vorderasien dort für lange Zeit eine ägyptische Vorherrschaft etabliert haben. Vielleicht erwägt er auch Ramses II., der zumindest nach eigener Darstellung in der Kadesch-Schlacht durch persönlichen Einsatz eine drohende Niederlage abgewendet hat. In der griechisch-römischen Antike wäre wohl einmütig eine ganz andere Antwort gekommen, nämlich Sesostris. Wie sehr dieser König als größter Eroberer betrachtet wurde, beleuchtet vielleicht am besten eine Episode, die Herodot (II, 110) überliefert. Demnach wollte der Perserkönig Dareios I. seine Statuen im Tempel von Memphis vor den Kolossalstatuen des Sesostris aufstellen. Der zuständige Priester lehnte dies ab, weil Dareios’ Taten denen des Sesostris nicht ebenbürtig seien – Sesostris habe nämlich nicht weniger Völker als Dareios unterworfen, zusätzlich aber noch die Skythen, die Dareios nicht bezwingen konnte. Wer war dieser Sesostris und woher kommt die Tradition seiner militärischen Erfolge?
Seite 46–48

Das Grab der Königstochter Neferuptah bei Hawara
von Wolfram Grajetzki
Das späte Mittlere Reich, von der Zeit nach Sesostris II. bis in die 13. Dynastie hinein, ist vergleichsweise reich an ungeplünderten Grabanlagen. Ein Grund dafür ist vielleicht, daß die Oberbauten dieser Gräber nicht so standhaft und massiv wie die Mastabas des Alten und die Felsgräber des Neuen Reiches waren. Diese Oberbauten sind deshalb anscheinend schon früh verfallen, und die darunter befindlichen Grabkammern waren so nicht mehr im Blickfeld potentieller Räuber. Es gibt schließlich sogar eine mögliche Pyramide, die tatsächlich unberaubt aufgefunden wurde und eine gewisse Vorstellung von einer Grabausstattung dieser Zeit vermittelt. Es handelt sich dabei um das Grab der Königstochter Neferuptah, die am Ende der 12. Dynastie lebte und bei Hawara, ca. 2 km südlich von der Pyramide Amenemhets III. entfernt, bestattet worden ist.
Seite 49–53