Inhaltsübersicht
Sokar Nr. 6


1/2003
4. Jahrgang
52 Seiten
92 Fotos/Abb.

Die Große Sphinx von Giza
von Rainer Stadelmann
Die Pyramiden von Giza und die Große Sphinx sind die einzigen erhaltenen der Sieben Weltwunder der Antike, die von den griechischen Autoren seit dem 4. und 3. Jahrhundert v. Chr. erwähnt wurden. Genauer gesagt: die Große Sphinx ist in dieser Liste nicht direkt enthalten, lediglich die Pyramiden. Für Besucher unserer Tage mutet es etwas befremdlich an, weil wir es gewöhnt sind, die Pyramiden und die Sphinx als eine Einheit zu sehen – und auch die touristische Werbung für Ägypten zeigt uns wunderschöne Bilder dieses Ensembles: die Pyramiden und die Sphinx. Diese eindrucksvolle Skulptur, 73,50 Meter lang und mehr als 20 Meter hoch, überragt sogar die Kolosse des Memnon in Theben und die Statuen von Ramses II. vor der Fassade von Abu Simbel. Die Große Sphinx ist das gewaltigste Bildwerk, das Menschen je geschaffen haben. Sie stellt ein Mischwesen aus Löwe und Mensch dar, ein Wesen, in dem sich die Kraft des mächtigsten Raubtieres mit der Intelligenz des menschlichen Herrschers zu einem göttlichen Wesen verbindet. Ältere flachbildliche Darstellungen dieses Mischwesens als Greif zeigen es in Aktion, als Vernichter der Feinde. In der Rundplastik ist diese Kraft gebändigt, beherrscht durch die menschliche Intelligenz, ruhend in göttlicher Majestät. Auch wenn man sich heute darüber einig ist, daß die Sphinx ein Werk der 4. Dynastie ist, so schwankt dort die Zuordnung immer noch zwischen Cheops, Djedefre oder Chephren.
Seite 3–11

Chnum, er schützt mich
Das Fragment einer Widderstatue im Ägyptischen Museum Berlin
von Olivia Zorn
Seite 12–13

Die Funktion der Pyramidenkorridore als vermessungstechnische Einrichtungen
von Jürgen Becker
Gänge in Pyramiden beginnen in der Regel mit dem Pyramideneingang und enden im allgemeinen in einer Kammer. Sie ermöglichten, war die Pyramide ein Königsgrab, in dieser Richtung die reale Bestattung des Verstorbenen in der Grabkammer. Zumindest ab der 4. Dynastie hatten sie umgekehrt auch eine kultische Funktion. Gemäß dem Dogma des Himmelsaufstiegs wiesen die Gänge den toten Königen den Weg aus dem Grab »anfänglich zu den unvergänglichen Sternen des Nordhimmels, dann zu den Opfergefilden, dem Lichtland des Sonnengottes im Nordosten«. Lohnt es sich angesichts dieser beiden eindeutigen Funktionen der Gangsysteme noch, über sie weiter nachzudenken? Den Anstoß hierzu bot eine offene Frage, die sich bei einigen Pyramiden der 4. Dynastie am Beginn der Korridore stellt: Bislang ist unbekannt, welche Bedeutung die mitunter beträchtliche Versetzung der Eingänge der Grabkorridore aus der Mitte der Pyramidennordseite nach Osten hat. Die Suche in der neueren Literatur nach einer Erklärung blieb ergebnislos. Es war daher reizvoll, nach Zusammenhängen dieser bautechnischen Auffälligkeit mit anderen Konstruktionsmerkmalen zu forschen.
Seite 14–21

Neues aus den Schächten der Königinnenkammer
von Michael Haase
Seite 22

Die Pyramidenstädte des Alten Reiches
von Richard Bußmann
Die Pyramidenstädte spielen in der Geschichte des Alten Reiches keine unbedeutende Rolle. Als ranghöchste Beamte sind die Wesire seit der Zeit Niuserres (Mitte der 5. Dynastie) regelmäßig die Vorsteher der Pyramidenstadt des regierenden Königs. Der Name Memphis geht auf den Namen der Pyramidenstadt Pepis I. Men-nefer(-Meri-Re) zurück. Doch die Vermutungen über das archäologische Aussehen der Pyramidenstädte, die nur aus schriftlichen Quellen bekannt sind, gehen weit auseinander.
Seite 23–27

Wohnstrukturen und Besiedlungsspuren des Alten Reiches auf dem Giza-Plateau
von Christian Winter
In der Blütezeit des Alten Reiches wurden während der 4. Dynastie ungefähr neun Millionen Kubikmeter Steinmaterial – von König Snofru bis König Mykerinos – in die Pyramiden verbaut. Dazu waren neben dem enormen Planungsaufwand auch eine gut funktionierende Verwaltung und eine exzellent organisierte Logistik nötig. Der Großteil der dabei anfallenden Arbeiten wie dem Materialabbau, dessen Transport und dem Errichten der königlichen Grabanlagen wurde von einfachen Arbeitermannschaften und Handwerkern übernommen. Von deren Lebensweise und Versorgung geben uns meist nur sehr schlecht erhaltene Siedlungsreste und Gebäudefundamente Zeugnis. Die Wichtigkeit ihrer Existenz scheint neben der Faszination für die großen Monumentalbauten häufig in den Hintergrund zu treten. Ihre Erforschung liefert den Ägyptologen jedoch wertvolle Hinweise abseits des Palastlebens und der Beamtenschaft. Außerdem können sie als Informationsquellen für Konstruktionsmodelle und Organisationsabläufe bezüglich des Pyramidenbaues herangezogen werden. Der hier vorliegende Artikel soll einen Überblick über freigelegte Siedlungsstrukturen auf dem Giza-Plateau geben, wobei diese von Westen nach Osten, abgehandelt werden und ein Schwerpunkt auf der Grabung von Mark Lehner liegt.
Seite 28–37

Neuere Grabungen und Untersuchungen an und um die Knickpyramide
durch das Deutsche Archäologische Institut, Abteilung Kairo, in den Jahren 2001 bis 2003
von Rainer Stadelmann
Seite 38–39

Kupfer als Werkstoff im Alten Reich
von Klaus Richter
Kupfer war das Metall, das in der Menschheitsgeschichte als erstes genutzt wurde. Sein Verwendungsfeld war vielfältig: Waffen, Kultgeräte, Haushaltsgegenstände, aber auch Werkzeuge wurden aus diesem Metall hergestellt. Der Schwerpunkt dieses Beitrages liegt auf der Nutzung des Kupfers als Werkstoff im Handwerk des Alten Reiches. Zahllose Spuren bezeugen, daß altägyptische Handwerker mit Kupferwerkzeuge bohrten, sägten oder Reliefs herstellten. Ein Beispiel für die Fertigkeiten der »Hemutiu« ist der Sarkophag von Cheops.
Seite 40–43

Die Merchet und das Strickspannen
von Tapan Kumar Das Gupta
Es ist seit langem bekannt, daß die vier Seiten der Pyramiden der 4. Dynastie genau nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet sind. Eine Reihe von Verfassern hat sich darüber Gedanken gemacht, wie dieser Sachverhalt zu erklären sei. Dabei ist oft von einem Instrument Merchet die Rede, das zum Zwecke der Sternbeobachtung verwendet worden sein soll. Das Objekt kommt im Zusammenhang mit dem Strickspannen vor. Das Strickspannen, bei dem es um die Ermittlung des Nordens durch die Sternbeobachtung und die Festlegung der Tempelecken geht, ist selbst zwar ein altes Verfahren, der Ausdruck Merchet ist jedoch sehr spät belegt. Es erhebt sich die Frage, ob es sich bei diesem Gegenstand tatsächlich um ein Instrument zur Beobachtung der Sterne handelte, wie es seit Ludwig Borchardt angenommen wird.
Seite 44–49

Kurzer Bericht über die Arbeiten an den Memnon-Kolossen und dem Tempel Amenophis’ III. in Kom el-Hettan
von Hourig Sourouzian
Seite 50–51