Inhaltsübersicht
Sokar Nr. 5


2/2002
3. Jahrgang
52 Seiten
106 Fotos/Abb.

Brennpunkt Giza
Die Schachtsysteme der Cheops-Pyramide
von Michael Haase
Das Grabmal des Cheops war in den letzten zwei Jahrhunderten oftmals das Ziel wissenschaftlicher Untersuchungen. Dennoch sind bis heute nicht alle Fragen um die Cheops-Pyramide beantwortet worden. Neben der bislang nicht genau nachvollziehbaren Art und Weise ihrer Errichtung, gibt es auch einige bauliche Strukturen und architektonische Details in ihrem Inneren, die nicht nur Anlaß zu kontroversen fachlichen Interpretationen und Diskussionen geben, sondern die Ägyptologen auch immer wieder zu neuen Forschungsmissionen herausfordern. Zu den letzten unerforschten Bereichen des Kammersystems der Cheops-Pyramide gehörten bis vor gut zehn Jahren die kleinen Schächte, die jeweils nördlich und südlich orientiert von den beiden oberen Grabräumen ausgehen und schräg durch das Kernmauerwerk verlaufen. Nachdem dort bereits 1992 und 1993 umfangreiche Untersuchungen stattgefunden haben, aber in den unteren Schächten nicht konsequent zu Ende geführt wurden, hat die ägyptische Antikenverwaltung im Sommer 2002 die Forschungen wieder aufgenommen. Mit interessanten Ergebnissen.
Seite 3–13

Die Residenznekropole von Dahschur
von Nicole Alexanian und Stephan J. Seidlmayer
Der Friedhof von Dahschur, etwa 30 Kilometer südlich von Kairo auf dem westlichen Wüstenrand gelegen, wurde zu Beginn der 4. Dynastie (um 2600 v. Chr.) durch König Snofru, den Vater des Cheops, mit der Anlage einer ausgedehnten Residenznekropole inauguriert. Ein zweiter Horizont intensiver Belegung durch Königsgräber und Elitefriedhöfe datiert in die fortgeschrittene 12. und 13. Dynastie (ca. 1914–1650 v. Chr.). Nachdem der Platz lange Zeit als militärisches Sperrgebiet der archäologischen Forschung verschlossen war, konnte das Deutsche Archäologische Institut seit Mitte der 1970er Jahre Grabungs- und Restaurationsarbeiten in Dahschur durchführen. Seit dem Herbst 2000 fördert die DFG ein Grabungsprojekt in Dahschur, das von einer Arbeitsgruppe des Ägyptologischen Seminars der Freien Universität Berlin durchgeführt wird. Neben punktuellen Ausgrabungen ist es das Ziel des Projektes, die Geschichte der Belegung des Platzes und den Wandel ihrer Gesamtstruktur zu erforschen. In einer archäologischen Felderkundung des weitläufigen Gebietes wurde ein Überblick über Art und Verteilung der einzelnen Fundstellen erarbeitet. Damit erschließt sich die Aussagekraft der Denkmäler von Dahschur für die Entstehung der Elitekultur des frühen ägyptischen Staates und die Siedlungs- und Sozialgeschichte des memphitischen Raumes.
Seite 14–19

Eine Arbeitsstätte altägyptischer Handwerker bei Dahschur
von Christian Winter
Schon immer beschäftigte die Ägyptologen die Frage, welche Voraussetzungen den Bau der ausgedehnten Pyramidenanlagen des Alten Reiches möglich machten. Gerade in den letzten Jahrzehnten gelang es den Wissenschaftlern durch neue Funde oder genauere Untersuchung schon ergrabener Fundplätze ein besseres Bild der damalig vorhandenen Infrastruktur und der vor Ort bestehenden Arbeitsverhältnisse zu rekonstruieren. Wichtige Erkenntnisse diesbezüglich lieferte für die Zeit des Königs Snofru (4. Dynastie) die Freilegung und Untersuchung der Strukturen eines Gebäudes nahe der Roten Pyramide von Dahschur.
Seite 20–23

Zwei Pyramiden der 13. Dynastie bei Mazghuna und die ungeklärte Frage des Bestattungsortes von Amenemhet IV. und Sobeknofru
von Wolfram Grajetzki
Amenemhet III. gilt als der letzte bedeutende Herrscher der 12. Dynastie, dessen 45-jährige Regierungszeit vollkommen von seinen Bauprojekten eingenommen worden zu sein scheint. In diesem Zusammenhang sind vor allem seine Pyramide in Dahschur und der Pyramidenkomplex in Hawara, der in griechisch-römischer Zeit als das »Labyrinth« Berühmtheit erlangen sollte, zu nennen. Sein Nachfolger Amenemhet IV. regierte nur ca. neun Jahre, und es ist bis heute nicht mit Sicherheit möglich, ihm eine bestimmte Pyramide zuzuschreiben. Das gleiche gilt für die letzte Herrscherin der 12. Dynastie, Königin Sobeknofru, die wohl nur ca. drei Jahre den Thron Ägyptens beanspruchen konnte.
Seite 24–27

Die Königinnen Anchnespepi II. und III.
Die Grabungskampagnen 1999 und 2000 der »Mission Archéologique Française de Saqqara« (MAFS) an den Pyramidenanlagen der Königinnen Pepis I.
von Jean Leclant und Audran Labrousse
Im Rahmen der Ausgrabungen der MAFS wurden zwischen 1988 und 1998 südlich der Pyramide Pepis I. eine Reihe von Grabanlagen entdeckt und freigelegt: von Osten nach Westen die der königlichen Gemahlinnen Nubunet und Inenek/Inti, dann eine Pyramide, die noch nicht identifiziert wurde und die auf der Südseite von der einer königlichen Gemahlin Meretites flankiert wird. Die Entdeckung eines großen Türsturzes aus Granit im April 1997, der auf den Boden gefallen war und der die Titulatur der Königinmutter Anchnespepi II. trägt, hat die Ausgräber während der Kampagne von 1998 veranlaßt, die Forschungen in Richtung Westen zu lenken, um den Grabkomplex dieser Königin nachzuweisen. Dabei stießen sie auf die Reste einer Pyramidenanlage, die es zu erforschen galt.
Seite 29–33

Vom Steinbruch zur Pyramidenspitze
Interview mit Rosemarie und Dietrich D. Klemm über das „Integralrampenmodell“ im Pyramidenbau
von Michael Haase
Im Jahr 1998 haben die Ägyptologin Rosemarie Klemm und der Geologieprofessor Dietrich D. Klemm auf der Grundlage ihrer Studien auf dem Giza-Plateau einen neuen Ansatz zur Beantwortung der Frage des Baus der größten Pyramiden Ägyptens vorgeschlagen: Basierend auf der Beobachtung, daß offenbar »von den wie auch immer konstruierten Baurampen und sekundären Bauhilfskonstruktionen keinerlei Materialüberreste (sichtbare Deponien von altsedimentiertem, nilschlammdurchsetzten Schuttmaterial) auf dem Giza-Plateau zu erkennen sind«, gehen sie davon aus, daß beim Bau der dortigen Pyramiden Rampenkonstruktionen zur Anwendung gekommen sind, von denen »überhaupt kein Abraummaterial anfallen konnte«. Da man allem Anschein nach vor allem an der Cheops-Pyramide bei geeigneten Lichtverhältnissen »schräg verlaufende Parallelstrukturen in analogen Abständen« erkennen kann, stellten sie daraufhin ein in die Pyramide integriertes Baurampenmodell zur Diskussion, bei dem der Transportweg aus »einer spiralförmig umlaufenden Aussparung im Baukörper selbst« besteht. Sie favorisieren dabei eine zweifache »Integralrampe«, bestehend aus zwei diagonal gegenüberliegenden und spiralförmig den Baukörper hinauflaufenden Transportwegen relativ geringer Breite, die man separat als Auf- und Abweg benutzen konnte, um somit einen kontinuierlichen Materialtransport zu gewährleisten.
Seite 34–40

Experimentelle Hartgesteinbearbeitung
Interview mit Denys A. Stocks
von Klaus Richter
Denys A. Stocks hat seit den 1980er Jahren zahlreiche praktische Versuche unternommen, um herauszufinden, mit welchen Werkzeugen und Arbeitsmethoden die alten Ägypter sowohl hartes als auch weiches Gestein bearbeiteten. Dabei konnte er die bis dahin theoretischen Annahmen der Ägyptologie bestätigen und Ergebnisse präsentieren, die viele der bis dahin offenen Fragen klären konnten. Doch gibt es noch weitere offene Fragen bei der Erforschung der Hartgesteinbearbeitung im alten Ägypten?
Seite 41–43

Bohrwerkzeuge in der Pyramidenzeit
von Arno Sauerbier
Das Bearbeiten von Gestein, in alten Zeiten ein handwerklicher Vorgang, hat immer mit Physik, hier mit Technischer Mechanik, und mit dem Wissen um die Struktur des zu bearbeitenden Materials zu tun. Hier taten sich die Handwerker der Pyramidenzeit kreativ hervor: Sie verwendeten nicht nur den sich logisch ergebenden Steinhammer und den Schleifstein, sie erfanden den Bohrkopf, die Triebstange und den Antriebsmechanismus mit Kurbel und Fiedelbogen.
Seite 44

Pyramiden im oberägyptischen Theben
von Ingrid Gamer-Wallert
Pyramiden – wer verbindet damit nicht jene gewaltigen Grabdenkmäler dreier Pharaonen der 4. Dynastie, die unweit von Kairo, bei dem heutigen Giza, den Rand der Libyschen Wüste beherrschen? Heute wie im Mittelalter von Sagen umwoben, zählten sie bereits in der Antike zu den Wundern der Welt; es sind die einzigen jener vielbestaunten Weltwunder, die die Zeiten überstanden haben. Nicht ihnen gilt hier unser Interesse; auch nicht jenen Pyramiden, die sich im Norden und Süden in dicht geschlossener Kette aneinanderreihen, den Pyramiden von Abu Roasch, Abusir, Sakkara, Dahschur und Medum, Grabstätten anderer Herrscher des Alten Reiches; nicht den Pyramidenanlagen der 12. Dynastie bei Lischt und im Faijum; auch nicht den teils erst 2000 Jahre später entstandenen, die sich heute noch Hunderte von Kilometern südlich von Assuan erheben, in Höhe des 4. und 6. Nilkatarakts, den Grabanlagen von Mitgliedern der sogenannten äthiopischen und schließlich der meroitischen Herrscherdynastien.
Seite 45–51