Inhaltsübersicht
Sokar Nr. 3


2/2001
2. Jahrgang
52 Seiten
102 Fotos/Abb.

Zur Hypothese von Kate Spence über die Nordorientierung der ägyptischen Pyramiden
von Rolf Krauss
In der modernen Ägyptologie geht man heute davon aus, daß die grundlegende Orientierung der Pyramidenkanten nach Norden erfolgte. Da die Nordausrichtung der Pyramiden primär eine himmelsorientierte Einprägung ist, beziehen sich die meisten der bisher diskutierten Meßmethoden auf astronomische Aspekte, insbesondere auf die Einbeziehung gewisser nie unter dem Horizont verschwindender Zirkumpolarsterne, die man im alten Ägypten aufgrund ihrer ganzjährigen Sichtbarkeit am nächtlichen Himmel im Sinne von »Beständigkeit« oder »Unsterblichkeit« interpretierte und als Ziel der göttlichen Himmelfahrt der Könige ansah. Die Ägyptologin Kate Spence hat Ende der 1990er Jahre eine Hypothese vorgelegt, nach der die Ägypter die Nordausrichtung der Pyramiden aufgrund einer bestimmten Konstellation der Sterne Mizar und Kochab ermittelt haben sollen.
Seite 4–7

Snofru und die Pyramiden von Dahschur
2. Teil: Die Rote Pyramide – das Grabmal des Snofru
von Michael Haase
Über ein Jahrzehnt nach dem mißglückten Bau der Knick-Pyramide wurde in Dahschur Snofrus letztendliches Grabmal – die Rote Pyramide – fertiggestellt. Der neue Grabbau umfaßte ein Volumen von etwa 1,75 Millionen Kubikmetern und erreichte eine Höhe von über 109 Metern. Erstmals im Alten Reich war es den Ägyptern gelungen, ein Königsgrab ordnungsgemäß zu errichten, das von Beginn an als geometrisch echte Pyramide geplant war. So markiert die Rote Pyramide den Endpunkt einer Entwicklung im ägyptischen Grabbau, die sich von den ersten monumentalen Mastabas über die Stufenpyramiden der 3. Dynastie bis zur echten Pyramidenform verfolgen läßt. Danach sollten nur noch die Könige Cheops und Chephren größere Grabmäler errichten lassen. Der Mythos um die »Weltwunder-Pyramiden« Ägyptens wurde demnach in Dahschur begründet. Dort liegt die eigentliche Geburtsstätte des klassischen Pyramidenzeitalters.
Seite 8–16

Brennpunkt Abusir
Interview mit Prof. Miroslav Verner
(Tschechisches Ägyptologisches Institut der Karls-Universität Prag)
von Michael Haase
Gut zwölf Kilometer südlich des Giza-Plateaus liegt die Ausgrabungsstätte von Abusir. Ihr Zentrum bildet eine königliche Nekropole aus der 5. Dynastie, die heute durch die Ruinen dreier Pyramiden geprägt ist. Im weiteren Umfeld der Pyramidenkomplexe finden sich Gräber aus der Frühzeit wie auch aus der Spätzeit Ägyptens, die die lange Geschichte dieses Wüstenabschnittes als Begräbnisplatz dokumentieren. Die systematische Erforschung der Baudenkmäler von Abusir begann erst am Anfang des 20. Jahrhunderts, als Ludwig Borchardt im Auftrag der Deutschen Orient-Gesellschaft die Königsgräber von Sahure, Neferirkare und Niuserre untersuchte. Seit 1960 graben tschechische Archäologen kontinuierlich und mit großem Erfolg in Abusir. Ihre Forschungen haben viele neue Aspekte der klassischen Pyramidenzeit ans Tageslicht gebracht und unsere Kenntnisse von den geschichtlichen Zusammenhängen jener Zeit mit geprägt. Der vorliegende Beitrag, in dessen Mittelpunkt ein Interview mit dem Leiter der tschechischen Grabungsmission, Prof. Miroslav Verner, steht, soll einen Eindruck von dieser so bedeutenden Nekropole des Alten Reiches vermitteln und einen Überblick über die bisherigen wie auch aktuellen Forschungen in Abusir geben.
Seite 17–25

Handwerker in der Pyramidenzeit
von Rosemarie Drenkhahn
Über die Bauarbeiter, die mit der Errichtung der Pyramiden direkt beschäftigt waren, ist immer noch relativ wenig bekannt, wenngleich in den letzten Jahren bedeutsame Entdeckungen im Umfeld der Giza-Pyramiden gemacht worden sind, die wichtige Funde und Erkenntnisse liefern. Anders verhält es sich mit der Informationslage zu Handwerkern, die in Werkstätten Holz, Metall, Stein usw. zu Produkten verarbeiteten, weil hierzu umfangreiches Quellenmaterial vorliegt. Denn seit der 4. Dynastie werden Handwerker und ihre Tätigkeiten ausführlich in Gräbern dargestellt, die sich in Giza, Sakkara und in der Provinz befinden. Die zahlreichen Darstellungen und Inschriften geben detailliert Auskunft über die verschiedenen Handwerkerberufe, Werkzeuge, Werkverfahren, über die Herstellung der Produkte von Schreinern, Metall-, Stein- und Lederhandwerkern sowie über die verschiedenen Formen der Zusammenarbeit.
Seite 26–28

Auf den Spuren der »Hemutiu«
Eine Studie über das Bohren im alten Ägypten
von Klaus Richter
In den Ruinen der Pyramidenfelder Ägyptens – wie etwa in Abusir – finden sich diverse Spuren der pharaonischen Steinhandwerker, die von deren hohen handwerklichen Fähigkeiten zeugen. Da präsentieren sich dem Betrachter Löcher in Steinen aus Rosengranit oder Basalt, die von ihrer Struktur her als Kernbohrungen zu bezeichnen sind. Wie gelang es den alten Ägyptern, mit ihrer relativ primitiven Technik solche Bohrlöcher herzustellen? Theoretische Studien und praktische Versuche geben heute konkrete Antworten auf zahlreiche offene Fragen dieser Art der Hartgesteinbearbeitung.
Seite 29–35

Sokar
Gott der memphitischen Nekropole
von Christian Winter
Je weiter man in der Zeit zurückblickt, desto schwerer lassen sich die damaligen Verhältnisse und Glaubensvorstellungen der ägyptischen Hochkultur anhand der oft nur fragmentarisch erhaltenen und meist schwer in einen Kontext zu bringenden Fundstücke rekonstruieren. So ist auch über den Ursprung des Gottes Sokar nur wenig bekannt und sein Charakter sowie seine Zuständigkeitsbereiche lassen sich für die Pyramidenzeit lediglich ansatzweise feststellen.
Seite 36–40

Die Pyramide der Königin Amanishakheto
von Angelika Lohwasser
Das Reich von Meroe erstreckte sich vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis zum Beginn des 4. Jahrhundert n. Chr. südlich von Ägypten. Die Nordgrenze lag in Unternubien, die Südgrenze ist noch nicht lokalisiert, wird aber in der Gegend der heutigen Hauptstadt des Sudan, Khartoum, angenommen. In der meroitischen Kultur verschmolzen ägyptische, hellenistische und afrikanische Komponenten. Es ist eine Besonderheit des meroitischen Reiches, daß Frauen als Herrscherinnen den Thron besteigen konnten. Vor allem im 1. Jahrhundert v. Chr. regierte eine Reihe von Königinnen. Amanishakheto, die im ausgehenden 1. Jahrhundert v. Chr. herrschte, ist vielleicht die Berühmteste.
Seite 43–45

Die Grabhügel von Knowth
von Katja Näther
Unweit von Newgrange und völlig zu Unrecht im Schatten dieses weltbekannten Grabhügels liegt Knowth. Seit das Ganggrab 1966 im großen Hügel entdeckt wurde, kamen immer neue, erstaunliche Erkenntnisse zu Tage. Unstrittig ist, daß die Anlage älter ist als die ägyptischen Pyramiden. Doch neben typischen Verzierungen auf den Steinen tauchen Musterungen auf, die mit keiner anderen megalithischen Kunst vergleichbar sind. Ihre Bedeutung läßt sich nur erahnen. Das archäologische Ensemble wurde 1993 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Seite 48–49