Inhaltsübersicht
Sokar Nr. 19


2/2009
10. Jahrgang
100 Seiten
177 Fotos/Abb.


Die Verschlußsteine der unteren Schächte der Cheops-Pyramide
von Michael Haase
Zu den baulichen Besonderheiten der Cheops-Pyramide gehören vier kleine Schächte, die von den beiden oberen Grabräumen aus jeweils nördlich und südlich ansteigend durch das Kernmauerwerk verlaufen. Bis heute ist die Diskussion über die einstige Funktion dieser außergewöhnlichen Schachtsysteme nicht abgeschlossen. Im Zentrum der Debatte stehen dabei insbesondere die beiden Verschlußsteine, die an den oberen Enden der Schächte der mittleren Kammer entdeckt wurden.
Seite 6–14

Cheops als Heilsbringer in der Spätzeit
von Gunnar Sperveslage
Im Zentrum des Artikels steht eine Gruppe von Skarabäen aus der Spätzeit, die mit dem Namen des Cheops beschriftet sind und einen Beitrag zur Überlieferungsgeschichte dieses Königs darstellen. Lange nach dem Erlöschen seines Totenkultes kam Cheops in jener Epoche wieder zu neuen Ehren. Er partizipierte am Kultgeschehen im Isis-Tempel auf dem Giza-Plateau, und es gab Priester, die sich für ihn mitverantwortlich zeichneten. Die Skarabäen legen nahe, daß Cheops in der Bevölkerung zu einem Heilsbringer wurde.
Seite 15–21

Die Inschrift an der Nordseite der Mykerinos-Pyramide
von Roman Gundacker
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Bedeutung und Datierung einer hieroglyphischen Inschrift, die unweit des Eingangs der Mykerinos-Pyramide angebracht wurde. Allem Anschein nach ist der Text in der 26. Dynastie unter König Apries in die Granitverkleidung des Grabmals gemeißelt worden. Die Inschrift beinhaltet u. a. die Öffnung und Restauration der alten königlichen Grabanlage sowie den Vermerk zur Erneuerung der Bestattung.
Seite 22–29

Die Mastaba des Werkaure
von Jaromir Krejci
Das Tschechische Institut für Ägyptologie hat neben nicht-königlichen Gräbern in Abusir-Süd und saitisch-persischen Schachtgräbern im westlichen Bereich seiner Konzession auch Grabanlagen im direkten Umfeld der königlichen Nekropole von Abusir ausgegraben. Untersucht wurden dabei nicht nur Grabstätten von Königinnen und die unvollendete Pyramide des Reneferef, sondern auch ein sehr ungewöhnlicher Komplex südöstlich der Pyramide der Chentkaus II.: die Mastaba des Prinzen Werkaure. Die ausgefallene Architektur dieses Bauwerks wie auch die der nahegelegenen Grabanlage Lepsius 25, die höchstwahrscheinlich ebenfalls Mitgliedern der königlichen Familie gehörte, scheinen zu belegen, wie prägend die Herrschaft des Königs Niuserre u. a. aufgrund bedeutender Innovationen in der Grabarchitektur war.
Seite 30–37

SERIE
Rückkehr und Neubeginn, Teil 3: Die Opferkammer des Merib
von Olivia Zorn
Westlich der Cheopspyramide auf dem Gizaplateau liegt der Friedhof G 2100 mit 11 Hauptmastabas und 62 kleineren Bestattungsanlagen, dessen Kernbauten unter König Cheops für die Eliteschicht angelegt wurden. Im November 1842 begann Karl Richard Lepsius in diesem Areal die wissenschaftliche Erforschung Ägyptens, die die kleine Preußische Expeditionstruppe bis 1845 in Ägypten und im Sudan hielt. Ziel der Expedition war es, die im wesentlichen offen zugänglichen Denkmäler Ägyptens und Nubiens zu erfassen. Lepsius hatte den Ehrgeiz, das Wissen über die Chronologie Ägyptens zu erweitern und konzentrierte sich daher insbesondere auf die Monumente, die königlich waren oder die zumindest durch die Nennung von Königsnamen bestimmten Pharaonen eindeutig zugewiesen werden konnten.
Seite 38–45

Urkunden aus einem Pyramidenbaubüro des Mittleren Reiches
von Wolfram Grajetzki
Es sind nur wenige Urkunden erhalten, die aus dem direkten Umfeld des Pyramidenbaus stammen. Fragen zur Organisation des Pyramidenbaus, der Bauverwaltung und der dabei eingesetzten Personengruppen sind oftmals reine Spekulation. Hinweise in biographischen Inschriften von Beamten sind äußerst spärlich und oftmals offen für unterschiedliche Interpretationen. Eine Ausnahme stellen immerhin einige Papyrusurkunden aus Lahun dar, die wahrscheinlich aus dem Baubüro der Pyramidenanlage von Hawara aus der Regierungszeit von Amenemhet III. stammen. Offensichtlich ist der Bau dieser Pyramide von Lahun aus organisiert worden.
Seite 46–51

Die chronologische Abfolge der Pyramiden der 13. Dynastie
von Christoffer Theis
Von den Pyramiden der 13. Dynastie konnten bislang diverse archäologische Zeugnisse entdeckt werden. Diese befinden sich mehrheitlich in den Nekropolen von Dahschur und Sakkara, doch sind ebenso Strukturen und andere Hinweise auf königliche Bestattungen aus jener Zeit aus anderen Gebieten Ägyptens bekannt. Neben einigen Grabmälern, die sicher der 13. Dynastie zuzuweisen sind, liegen auch zahlreiche Pyramidenstrukturen vor, die man bisher keiner Dynastie oder Epoche zuordnen kann. Dieses Problem liegt hauptsächlich darin begründet, daß einerseits keinerlei philologische Quellen zur Verfügung stehen und andererseits die archäologische Situation im Grabungsareal sowie der Erhaltungszustand der Monumente derart schlecht sind, daß keine weiterführenden Schlüsse möglich sind.
Seite 52–61

Neue Entdeckungen im Nordwesten Sakkaras
Eine Grabkapelle aus dem Neuen Reich und das Grab der Isisnofret
von Nozomu Kawai / Sakuji Yoshimura
Die memphitische Nekropole weist noch immer viele Geheimnisse auf. Auf einem Felshügel etwa 1 km nordwestlich des Serapeums in Sakkara wurde im Jahr 2008 eine Grabkapelle aus dem Neuen Reich entdeckt. Während der nachfolgenden Grabungen konnte 2009 ein dazugehöriges Schachtgrab aus ramessidischer Zeit freigelegt werden, das einer »Adligen« namens Isisnofret gehörte. Damit wurde erstmals eine Grabanlage aus dem Neuen Reich auf dieser Anhöhe gefunden, die sich weit entfernt vom Hauptfriedhof von Sakkara befindet. Obwohl die Identität der Verstorbenen noch nicht eindeutig geklärt werden konnte, ist es wahrscheinlich, daß sie eine Tochter des Prinzen Chaemwase war.
Seite 62–70

SERIE
Die Straßen der Pharaonen, Teil 2: Bemerkenswerte Ergebnisse der Altstraßenforschung
von Heidi Köpp
Wie dienten die verschiedenen in Ägypten belegten Trassen dem Reiseverkehr und dem Transport? Welche Fortbewegungs- und Transportmittel benötigten überhaupt Landwege? Konnte man mit Streitwagen querfeldein fahren oder waren sie nur auf Straßen einsetzbar? Wie wurde der Trassenverlauf markiert? Gab es im Alten Ägypten bereits ein durchgehendes Trassennetz? Wie kann man das Alter einer Trasse bestimmen? Wie war das Kostenverhältnis von Wasser- und Landtransport? Diesen und weiteren Fragen wird im Artikel nachgegangen.
Seite 71–77

Die Pyramide des Tanutamun in El-Kurru (Sudan)
von José Lull
Nach dem Tod des Königs Taharqa entschloß sich sein Nachfolger Tanutamun (ca. 664–656 v. Chr., letzter Herrscher der 25. Dynastie), zur königlichen Nekropole von El-Kurru zurückzukehren. Er ließ seine Pyramide (Ku 16) neben der von Schabaka errichten. Der Oberbau von Ku 16 ist fast völlig verlorengegangen; insbesondere seine Ausmaße sind nur anhand der Gründungsgruben und einiger erhaltener Reste des Mauerwerks zu bestimmen. Das Wichtigste, was sich in Tanutamuns Grab erhalten hat, ist die Dekoration der Wände mit Bildern und Inschriften. Diese Darstellungen können helfen, die Tradition und den Wandel, die im ikonographischen und epigraphischen Programm der kuschitischen Königsgräber am Ende der 25. Dynastie erfolgt sind, besser zu verstehen.
Seite 78–85


----- Nachrichten aus Ägypten -----

Ein König im Licht der Öffentlichkeit
Das Erscheinungsfenster als Repräsentationsarchitektur Echnatons
von Petra Vomberg
Im Alten Ägypten hat wohl kein König das Leben des gesamten Staates so um sich und seine Person zentriert wie Echnaton (18. Dynastie, 1351–1335/34 v. Chr.). Diese zentrale Rolle spiegelt auch das Erscheinungsfenster im königlichen Palast wieder. Die Rekonstruktion dieses nur aus Reliefdarstellungen bekannten Palastbereiches gibt Hinweise auf die Machtpolitik Echnatons; es erlaubt Einblicke in die Struktur des Denkens und Handelns dieses Regenten.
Seite 86–89

Der königliche Weingarten in Amarna
von Christian Tietze
Die Existenz der Stadt Amarna ist unmittelbar mit der Geschichte ihres Gründers Amenophis IV./Echnaton verbunden. Der junge Pharao begann nach fünfjähriger Herrschaft in Theben den Bau einer neuen, 300 km nördlich gelegenen Hauptstadt, auf halbem Weg in die alte Hauptstadt Memphis. Amarna, eigentlich Achet-Aton (»Horizont des Aton«), wurde schnell zu einer Stadt mit gewaltigen Palästen und Tempeln, großen Wohnstädten und zahlreichen Verwaltungs- und Versorgungsbauten. Echnatons früher Tod, nach einer Herrschaftsdauer von wenigen Jahren, wird auch zumeist als das Ende der Stadt Amarna angesehen. Doch der Bruch scheint nicht vollständig gewesen zu sein. Zu dieser Annahme trägt ein Gebäudekomplex im Zentrum der Stadt bei, der von seiner Größe, Funktion und Lage her nicht in die Konzeption der Neuplanung paßt: der königliche Weingarten.
Seite 90–96

Die Ägyptische Sammlung ist heimgekehrt
Die Wiedereröffnung des Neuen Museums
von Olivia Zorn
Am 16. Oktober 2009 wurde das Neue Museum in Berlin mit den Sammlungen des Ägyptischen Museums und der Papyrussammlung sowie des Museums für Vor- und Frühgeschichte mit Objekten aus der Antikensammlung nach 70 Jahren Schließung wieder eröffnet.
Seite 97