Inhaltsübersicht
Sokar Nr. 14


1/2007
8. Jahrgang
100 Seiten
227 Fotos/Abb.

Aktuelles von der Grabanlage des Ninetjer
von Günter Dreyer
Am Grab des Ninetjer, des 3. Königs der 2. Dynastie, wurden die Arbeiten des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo, vom 18.2. bis zum 13.4.2006 fortgesetzt. Die Grabungstätigkeiten konzentrierten sich vor allem auf die Suche nach Resten eines Tumulus bzw. Mastaba-Oberbaus, der nach den Befunden an Königsgräbern der 1. und 2. Dynastie in Abydos und den ersten Baustufen des Djoser-Komplexes auch hier vorhanden gewesen sein muß. In den unterirdischen Galerien der Grabanlage des Ninetjer wurden zwei spätere Bestattungen weiter untersucht und an den zahlreichen Mumienmasken und anderen Holzobjekten Restaurierungsmaßnahmen durchgeführt.
Seite 6–7

Neue Forschungen an der Knickpyramide
Die Kampagnen des DAI Kairo in den Jahren 2005 und 2006
von Rainer Stadelmann
Der Beitrag stellt die wichtigsten Ergebnisse der DAI-Herbstkampagnen 2005 und 2006 an Snofrus Pyramidenkomplex in Dahschur-Süd zusammenhängend dar. Die Arbeiten waren im Hinblick auf eine abschließende Übergabe des Pyramidenbezirks an den ägyptischen Antikendienst daraufhin konzentriert, die Vermessungen in der Knickpyramide und der kleinen Kultpyramide sowie die endgültige Freilegung, die mustergültige Vermessung und die Konsolidierung des Taltempels zu bewerkstelligen.
Seite 8–11

Im Inneren der Knick-Pyramide
von Michael Haase
Im Rahmen der Arbeiten des DAI Kairo im Pyramidenbezirk des Snofru in Dahschur-Süd wurden auch die Kammersysteme der Knick-Pyramide fotografisch aufgenommen. Der Artikel gibt einen Überblick über den Aufbau der beiden Kammerbereiche und beleuchtet die komplexe Baugeschichte dieser Pyramide.
Seite 12–19

Die Ausgrabungen am Aufweg des Sahure
Eine neue Darstellung aus Punt
von Tarek El-Awady
Im Frühjahr 1994 wurden am Aufweg der Sahure-Pyramide vier große Kalksteinblöcke entdeckt, die mit erhabenen, qualitativ hochwertigen Reliefs dekoriert sind und einzigartige mehrfarbige Szenen aufweisen. Der Beitrag beschäftigt sich mit einem Teilaspekt der auf den neu entdeckten Blöcken abgebildeten Darstellungen – und zwar mit einer Expedition, die Sahure nach Punt entsandt hatte.
Seite 20–24

Die Papyrus-Archive von Abusir
von Miroslav Verner
Unter den spärlichen, bis heute zugänglichen althieratischen Dokumenten nehmen die sogenannten Abusir-Papyri zweifellos einen herausragenden Platz ein. Diese aus der Verwaltung der Pyramidentempel und der Tempelwirtschaft stammenden Berichte mögen auf den ersten Blick unattraktiv erscheinen. Doch der Schein trügt, denn ihre Bedeutung ist, insbesondere für die Geschichte des Alten Reiches, unschätzbar. Darüber hinaus liefern die Fundumstände und das Schicksal dieser Papyri den Stoff für eine durchaus fesselnde Geschichte.
Seite 25–33

Die Gräber der 6. Dynastie in Abusir
Der Grabkomplex des Wesirs Qar und seiner Familie

von Miroslav Bárta
Offensichtlich haben die Friedhöfe im südlichen Abusir in der späten 3./frühen 4. sowie in der frühen 5. und frühen 6. Dynastie eine wichtige Rolle innerhalb des memphitischen Nekropolengebiets gespielt. Die jüngsten Grabungen in diesem Gebiet durch die Mission des Tschechischen Instituts für Ägyptologie haben neue Informationsquellen über die Geschichte der gesamten Nekropole von Abusir-Sakkara und insbesondere über die gesellschaftliche Entwicklung in der 6. Dynastie ans Tageslicht gebracht.
Seite 34–45

Texte unter der Lupe: Zur Identität des »Einzelnen Sterns« in den Pyramidentexten
von Rolf Krauss
In der Vorstellungswelt der Ägypter des Alten Reiches lag die erstrebenswerte Existenz verstorbenen Könige vorrangig am Firmament. Inschriftlich belegt wird diese Zuordnung Ende der 5. Dynastie durch die Pyramidentexte. Aus ihnen geht hervor, daß das Schicksal verklärten Könige nach ihrem Aufstieg ins Reich des Sonnengottes, wo man sie am Tageshimmel in den ewigen Kreislauf der Sonne integrierte, auch mit der Existenz bestimmter Sterne am Nachthimmel verknüpft war. Das primäre Ziel der Jenseitsreise waren dabei die »Unvergänglichen Sterne « am nördlichen Himmel, ohne daß die Pyramidentexte jedoch über das Schicksal versternten Toten« in dieser Himmelsregion konkrete Aussagen machen. Nur vereinzelt ist einem »Einzelnen Stern« die Rede, der im Zusammenhang mit Osiris erwähnt wird. Im vorliegenden Beitrag geht es um die mögliche stellare Identifizierung des »Einzelnen Sterns«.
Seite 46–50

Der Pyramidenkomplex Amenemhets I. in Lischt
von Peter Jánosi
Nahe dem heutigen Ort Lischt in Mittelägypten erbauten die ersten beiden Herrscher der 12. Dynastie ihre Grabmonumente. Während Sesostris I. mit seinem Pyramidenbezirk unverkennbar eine Kompositform später 5. und 6. Dynastie-Pyramidenkomplexe schuf, werden aufgrund verschiedener Baubefunde am Grabmal seines Vaters auch Einflüsse oberägyptisch-thebanischer Bautraditionen vermutet. Eine Betrachtung seiner Grabanlage unter den Gesichtspunkten neuerer Forschung scheint jedoch darauf hinzuweisen, daß die vereinfachende Deutung unterägyptischer (memphitischer) bzw. oberägyptischer (thebanischer) Bautraditionen der Erfassung seiner Anlage nicht gerecht wird und der Befund nach differenzierteren Erklärungen verlangt.
Seite 51–59

Der Titel »Vorsteher aller Arbeiten des Königs« oder wer waren die Pyramidenarchitekten im Mittleren Reich?
von Wolfram Grajetzki
Als Baumeister der Pyramiden im Alten Reich werden immer wieder einige Namen wie Hemiunu oder Imhotep angeführt. Bei Hemiunu stützt sich diese Vermutung auf die Bedeutung seiner erhaltenen Denkmäler, die ihn als ausgesprochen mächtigen Mann erscheinen lassen und vor allem auf seinen Titel »Vorsteher aller Arbeiten des Königs«, der als Titel für den obersten Baumeister des Königs und damit der königlichen Pyramide im Alten Reich angeführt wird. Der Titel »Vorsteher aller Arbeiten des Königs« ist auch im Mittleren Reich belegt, doch bereitet es Schwierigkeiten, ihn mit dem Pyramidenbau in Verbindung zu bringen. Die Beleglage für Würdenträger dieser Zeit ist relativ gut, und es sollte deshalb auch möglich sein, die Baumeister wenigstens einiger Pyramiden zu identifizieren oder zumindest den Personenkreis ausfindig zu machen, der dafür in Frage kommt.
Seite 60–65

Der Sarkophag des Ibu aus Qaw el-Kebir
von Arno Sauerbier
Von den großen Gaufürstengräbern des Mittleren Reiches in Qaw el-Kebir haben sich vier Steinsarkophage erhalten. Diese sind völlig anders gestaltet als die meisten königlichen und nichtköniglichen Sarkophage des Alten und Mittleren Reiches. In Qaw el-Kebir hat nicht nur eine eigene, hochinteressante Entwicklung der Grabarchitektur stattgefunden, sondern hier haben sich auch aufwendig gestaltete Sarkophage herausgebildet, die in Form und Dekoration ausschließlich Holzsärge nachbilden.
Seite 66–69

Die Pyramiden – Häuser für die Ewigkeit
Zur Pyramidenausstellung im Palmengarten, Frankfurt/Main
von Petra Vomberg
Im Palmengarten in Frankfurt am Main findet in der Zeit vom 10. Mai bis 30. September 2007 die Ausstellung «Die Pyramiden – Häuser für die Ewigkeit» statt. Eine neue, stützenfreie Ausstellungshalle wurde im Palmengarten speziell für diese Ausstellung errichtet. Die Größe der Halle mit 25 m Spannweite und über 40 m Länge läßt auf über 1000 m² eine Pyramidenausstellung erstehen, die die Entwicklung der Pyramiden in chronologischer Reihenfolge verfolgt und in ihrer Komplexität darstellt. Von den Anfängen im Alten Reich bis zu den Gartenpyramiden in Deutschland im 19. Jahrhundert werden die verschiedenen Entwicklungsstufen der Pyramide als Bauwerk und Denkmal anschaulich.
Seite 72–74

Tore in die Vergangenheit: Die Statuenbüste Amenemhets V. Sechemkare im Kunsthistorischen Museum in Wien
von Regina Hölzl
Ein besonderes Meisterwerk der Ägyptisch-Orientalischen Sammlung des Kunsthistorischen Museums ist die Statuenbüste des Königs Amenemhet V. Sechemkare aus der 13. Dynastie. Sie gehört zum sogenannten »alten Bestand« der Sammlung und trägt die Inventarnummer ÄS 37. Die erhaltene Höhe der Büste beträgt 35 cm, die erhaltene Breite 17,5 cm, die Tiefe ca. 20 cm. Sie ist aus graugrünem, feinkörnigem Siltstein gefertigt und stammte ursprünglich wohl aus Elephantine.
Seite 70–71

----- Nachrichten aus Ägypten und dem Sudan -----

Die Königinnenstatue von Tell Basta
Fundlage, Ikonographie, Restaurierung, Metrologie
von Christian Tietze und Stefan Grell
Tell Basta, das antike Bubastis, liegt im südöstlichen Teil des Nildeltas, nahe der Provinzhauptstadt Zagazig. Im Zentrum der archäologischen Stätte befindet sich die Große Tempelanlage, die der Katzengöttin Bastet geweiht war. Mehrere tausend Steinfragmente (zumeist aus Rosengranit) zeugen von der Architektur eines großen Baukomplexes. Die Große Tempelanlage ist in drei Bauteile gegliedert: Im westlichen Teil liegt ein von Nektanebos I. errichtetes Bauwerk, der östliche Teil bestand ebenfalls aus einem von Osorkon I. errichteten Hof und einem Bauwerk, das von Osorkon II. anläßlich seines Thronjubiläums errichtet wurde. In dem von hohen Säulen eingefaßten Hof waren mehrere Kolossalstatuen aufgestellt, unter ihnen auch die Königinnenstatue.
Seite 75–79

Eine neue Unternehmung im Bereich der Petosiris-Nekropole von Tuna el-Gebel
von Katja Lembke und Jana Helmbold-Doyé
Das hier vorgestellte, seit 2004 von der DFG geförderte Projekt konzentriert sich auf den Friedhof südlich des Grabtempels des Petosiris). Die Projektleitung liegt in den Händen von Dr. Katja Lembke und ist seit Mitte 2005 an das Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim gebunden. In den beiden Kampagnen 2005/2006 ist es gelungen, die Bauaufnahme weitgehend abzuschließen, erste Übersichtspläne anzufertigen, Schnitte durch Teile der Nekropole zu legen, detaillierte Beschreibungen der dekorierten Grabhäuser zu erstellen, mit der Restaurierung der Wandmalereien zu beginnen und erste Funde aus den Grabhäusern in ein neues Magazin umzulagern.
Seite 80–85

Die 20. Kampagne des DAI Kairo in Abydos
von Günter Dreyer
Im frühzeitlichen Königsfriedhof von Abydos wurde die 20. Kampagne mit Unterstützung der DFG vom 16.10.–14.12.2005 und vom 27.1.–31.3.2006 durchgeführt. Grabungsarbeit fand im Herbst am Grab des Djer und in der Umgebung des Grabes des Peribsen statt. Außerdem wurden alle noch anstehenden Halden vermessen, Schnittzeichnungen vom restaurierten Grab des Dewen erstellt und die Bearbeitung der Funde fortgesetzt. Die Feldarbeit im Frühjahr galt der Bergung von letzten Bestattungen im Friedhof U, abschließenden Untersuchungen am Grab des Semerchet und dem Haldenabbau beim Grabkomplex des Djer.
Seite 86–87

Studien zum Grab Sethos’ I. des Basler «MISR»-Projektes
von Hanna Jenni
Den Kern des 1998/1999 begonnenen Projektes bilden zur Hauptsache drei königliche Gräber in vier Arealen: KV 47 (Siptah), KV 32 (Tiaa), KV 18 (Ramses X.) inklusive KV 54 (sog. Embalming cache Tutanchamuns) und die Arbeiterhütten. Die Ausgrabungstätigkeit in der Nähe des Grabes Ramses’ X. (KV 18) brachte u. a. Objekte zutage, die von der Dekoration des Grabes KV 17 und den Grabbeigaben von dessen Inhaber, Sethos I., stammen. KV 17 befindet sich in unmittelbarer Nähe, westlich von KV 18.
Seite 88–90

Neues von Elephantine
von Dietrich Raue
Die 35. Grabungs-, Aufarbeitungs- und Restaurierungskampagne auf Elephantine fand vom 31.10.2005 bis zum 6.1.2006 und anschließend vom 30.1. bis zum 20.4.2006 statt. Wie schon in den vergangenen Jahren wurden die Arbeiten gemeinsam mit dem Schweizerischen Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde durchgeführt. Die Ausgrabungen und Restaurierungen befaßten sich mit dem zentralen Stadtgebiet des Alten und Mittleren Reiches, der Bebauung gegenüber des Festhofs des Mittleren Reiches, den Straten südlich des Heqaib-Heiligtums sowie mit der Baugeschichte des Chnum-Tempels und seiner spätantiken Folgebebauung.
Seite 91–93