Inhaltsübersicht
Sokar Nr. 13


2/2006
7. Jahrgang
84 Seiten
190 Fotos/Abb.

Fragen an eine Nekropole in Sakkara
von Karol Mysliwiec
Ausführlicher Bericht über die Arbeiten der Polnisch-Ägyptischen Archäologischen Mission in Sakkara. Das Grabungsgebiet liegt westlich der Stufenpyramide zwischen der Umfassungsmauer des Grabbezirks des Djoser und dem sogenannten »Trockenen Graben«. Die Westpartien dieser beiden Strukturen wurden in ihrem Mittelteil erst von dieser Grabungsmission teilweise freigelegt und offenbaren ein  unbekanntes Bild von Sakkara mit einer Reihe neuer offener Fragestellungen.
Seite 6–17

Im Zeichen des Re
Die Grabungen im Pyramidenkomplex des Redjedef bei Abu Roasch
Interview mit Prof. Michel Valloggia (Universität Genf)
von Michael Haase
Der altägyptische König Redjedef (bzw. Djedefre; 4. Dynastie, um 2550–2540 v. Chr), Sohn und Nachfolger des Cheops, spielte lange Zeit im Bewußtsein der Öffentlichkeit nur eine untergeordnete Rolle. Sein stark zerstörter Grabkomplex nordwestlich von Kairo nahe des Dorfes Abu Roasch wurde aufgrund der ungünstigen Lage abseits der heutigen Infrastruktur einerseits kaum von Touristen besucht und fand andererseits nur sehr selten den Weg in die Medien. Auch die wissenschaftliche Erforschung und Dokumentation dieser Grabanlage vollzog sich in der Vergangenheit eher zurückhaltend und hatte viele Fragen offen gelassen. Mittlerweile hat sich die Situation aber grundlegend geändert: Die in den letzten elf Jahren durchgeführten Ausgrabungen an der Pyramidenruine unter der Leitung von Michel Valloggia lieferten eine Vielzahl neuer Erkenntnisse und rücken Redjedef nun verstärkt in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen wie auch des öffentlichen Interesses.
Seite 18–29

Aktuelle Ausgrabungen in Dahschur
von Nicole Alexanian und Stephan J. Seidlmayer
Ein Übersichtsartikel über die im Frühjahr 2006 stattgefundene Kampagne der Freien Universität Berlin in einem Friedhof des Alten Reiches im Tal östlich der Roten Pyramide in Dahschur. Innerhalb dieses Friedhofs wurde ein 45 × 30 m großes Gebiet mit sieben mittelgroßen und großen Mehrschachtgräbern aus Lehmziegeln untersucht; dabei konzentrierte sich die Tätigkeit auf die Ausgrabung der Grabschächte – mit sehr interessanten Ergebnissen.
Seite 30–32

Neue Entdeckungen der Mission Archéologique Française de Saqqâra
(Kampagnen 2001–2005)
von Audran Labrousse und Jean Leclant
Die Mission Archéologique Française de Saqqâra arbeitet seit 1966 im Grabkomplex Pepis I. (6. Dynastie, ca. 2300–2000 v. Chr.) und seit 1987 verstärkt an den Grabstätten der Königinnen dieses Herrschers. Auf der Grundlage der letzten fünf Kampagnen werden in diesem Beitrag die wichtigsten Entdeckungen in den Gräbern der Anchnespepi II., der Meretites II., der Anchnespepi III., der Hathor-Priesterin Anchnespepi und des Reherischefnacht vorgestellt. Außerdem wurde die Entdeckung der Reste einer weiteren Pyramide in diesem Areal bekanntgegeben. 
Seite 33–37

Die Ausgrabungen des Louvre in Sakkara
Neueste Entdeckungen
von Christiane Ziegler
Seit der Gründung der ägyptischen Antikenabteilung bilden die Bauwerke in Sakkara einen der Schwerpunkte der Forschungen des Louvre. Seit 1991 erforscht eine archäologische Mission des Museums ein Gebiet nördlich des Unas-Aufwegs und südöstlich der Djoser-Pyramide. Sie konzentriert sich hierbei auf die Gegend um die in die Regierungszeit des Niuserre datierbare Mastaba des Achethotep, deren reich dekorierte Kapelle die ägyptische Regierung dem Louvre 1903 verkaufte. Die Grabungen lieferten neue Erkenntnisse über einen bisher unerforschten Teil Sakkaras, in dem man menschliche Spuren vom Alten Reich an (ab 2500 v. Chr.) bis in die arabische Zeit hinein (9. Jahrhundert n. Chr.) verfolgen kann.
Seite 38–41

Pyramidenbezirk und Nekropole Sesostris’ III. in Dahschur
Die Arbeiten des Metropolitan Museum of Art, New York
von Dieter Arnold
Im Herbst 2005 führte die Expedition des Metropolitan Museum of Art, New York, ihre 15., dreimonatige Kampagne an der Pyramide des Königs Sesostris’ III. in Dahschur durch. Vor allem wurden in den Vorjahren begonnene Studien und Restaurierungsarbeiten fortgesetzt, andererseits konnten auch zwei neue Grabungsprojekte in Angriff genommen werden. Bekanntlich wurden der Pyramidenbezirk und die umliegenden Privatgräber seit dem späteren Neuen Reich durch Steinräuber völlig abgetragen, so daß die Arbeit der Archäologen vor allem auf die Untersuchung von Fundamentresten und die Zusammensetzung von zerschlagenen Bauteilen und Relieffragmenten angewiesen ist.
Seite 42–45

Neues zur Residenznekropole der 13. Dynastie
Survey in Dahschur-Nord/Sakkara-Süd und Dahschur-Süd
von Robert Schiestl
In Fortsetzung der Surveys des Deutschen Archäologischen Instituts und der Freien Universität Berlin im Gebiet von Dahschur wurden im März und April 2006 zwei neue Areale untersucht. Sie schlossen im Norden und Süden an die bisher untersuchten Gebiete an: Im Norden wurde das Areal in Dahschur-Nord/Sakkara-Süd um die 13. Dynastie-Pyramiden des Chendjer und eines unbekannten Königs untersucht, im Süden erstreckte sich der Survey von der Pyramide des Imeni-Qemau bis zur Pyramide von Mazghuna-Süd. Im Rahmen dieses Surveys konnten zahlreiche neue Monumente der 13. Dynastie – Pyramiden und Elitegräber – dokumentiert werden.
Seite 46–52

Die Fürstengräber von Qaw el-Kebir
von Arno Sauerbier
Im mittelägyptischen Qaw el-Kebir liegen die Reste der größten nicht-königlichen Grabanlagen aus dem Mittleren Reich, die vom Aufbau her den alten königlichen Pyramidenkomplexen ähneln. Dort entstanden interessante architekturgeschichtliche Neuerungen, die auch in die Tempelarchitektur des Neuen Reiches einflossen. Der Artikel befaßt sich allgemein mit der Entstehungs- und Grabungsgeschichte der Fürstengräber und stellt ausführlich die Grabanlage des Wahka II. vor.
Seite 53–57

Feldarbeit in der Nekropole des Neuen Reiches in Sakkara
Ergebnisse der niederländischen Grabungskampagnen 1999–2006
von Maarten J. Raven
Ausführlicher Bericht über die Grabungskampagnen des Na­tionalmuseums für Altertümer in Leiden in den Jahren 1999–2006 in der Neuen Reichs-Nekropole südlich des Unas-Aufwegs in Sakkara. Die Feldarbeiten erbrachten viele neue Ergebnisse an den Grabanlagen des Haremhab, des Tia und des Merineith. Außerdem wird über die Lokalisation einer bislang unbekannten königlichen Grabanla­ge aus der 2. Dynastie unter dem Grab des Merineith berichtet.
Seite 58–67

Tore in die Vergangenheit: Die ägyptische Sammlung des Museums für Völkerkunde in Hamburg
von Christiane Altenmüller und Renate Germer
Nach einer längeren Umbauphase ist die altägyptische Abteilung des Museums für Völkerkunde in Hamburg seit dem 10. September 2006 wieder zugänglich. Die Sammlung präsentiert sich auf größerer Fläche und mit einer inhaltlich neuen Konzeption. In dem vorliegenden Überblicksartikel werden ausgewählte Exponate der Sammlung vorgestellt.
Seite 68–69

Texte unter der Lupe: Zwei Felsinschriften aus der Zeit Snofrus
von Roman Gundacker
Die Überprüfung und der Versuch der Verbesserung der Lesung und Interpretation zweier bei Khor el-Aquiba, gegenüber des ehemaligen Tempels von Karanog zwischen dem 1. und 2. Katarakt, gefundener Felsinschriften aus der Zeit des Snofru.
Seite 70–73

----- Nachrichten aus Ägypten und dem Sudan -----

Zur Erforschung des oberägyptischen Athribis
Erste Ergebnisse aus der Projektarbeit in den Jahren 2003 bis 2006
von Rafed El-Sayed
Im Frühjahr 2003 wurden die archäologischen Tätigkeiten auf dem oberägyptischen Grabungsplatz Athribis nach fast zehnjähriger Unterbrechung wieder aufgenommen. Seit 2005 wird das Projekt vom Ägyptologischen Institut der Universität Tübingen aus durchgeführt. Im Fokus der langfristigen Zielsetzungen steht die archäologische, philologische sowie material- und konservierungswissenschaftliche Erforschung des spätptolemäisch-römischen Tempels der Göttin Repit, der neben den baulichen und archäologischen Befunden vor allem ein reiches, weitestgehend unpubliziertes Inschriftenkorpus überliefert. Der archäologische und kulttopographische Kontext sowie die Rekonstruktion der Nutzungsgeschichte des antiken Athribis von der Spätzeit bis in byzantinische Zeit stellen einen weiteren Forschungsschwerpunkt innerhalb des Projektes dar.
Seite 74–77

Tuna el-Gebel: Der unbekannte Friedhof nördlich des Petosiris-Grabes
Ausgrabungen der Joint-Mission der Universitäten Kairo und München im Frühjahr 2006
von Dieter Kessler
Seit 2002 haben die Universitäten Kairo und München Grabungen im Vorfeld des osirianischen Tempels des Ibis-Bestattungsplatzes in Tuna el-Gebel unternommen, um die chronologische und topographische Situation zu klären. Ein an die 40 Räume umfassender Komplex östlich nahe des Tierfriedhofs, der in den Jahren 2002–2004 freigelegt wurde, ergab einen Speicher- und Verwaltungsbereich, dazu eine Kultka­pelle, ein sogenanntes Pastophorion mit einer Kulttreppe vor einem Naos. Bei einem Testschnitt 20 m östlich des Grabes des Djed-Thotefanch im Jahr 2004 tauchten dann überraschend Spuren eines weiteren großen Steingrabes auf, das parallel zu dem des Bru­ders des Petosiris ausgerichtet war. Beide Gräber waren später von höher liegenden römerzeitlichen Grabbauten eingesäumt worden.
Seite 78–81