Inhaltsübersicht
Sokar Nr. 11


2/2005
6. Jahrgang
72 Seiten
144 Fotos/Abb.

Die Arbeiten des DAI Kairo am Grab des Königs Ninetjer
von Günter Dreyer
Seit 2003 führt das Deutsche Archäologische Institut, Abteilung Kairo, in Kooperation mit Peter Munro Untersuchungen im komplexen unterirdischen Teil der südlich des Djoser-Komplexes gelegenen Grabanlage des Königs Ninetjer (3. König der 2. Dynastie, um 2700 v. Chr.) durch. Die Grabanlage wurde 1937 von Selim Hassan unter dem Unas-Aufweg entdeckt, aber nicht weiter erforscht. Erste Reinigungsarbeiten und eine vorläufige Teilaufnahme waren dort erst seit 1986 vorgenommen worden. Die letzten beiden Kampagnen an diesem Grab fanden vom 16.10.–14.12.2004 und vom 16.2.–7.4.2005 statt.
Seite 4–5

Eine geheimnisvolle Rampe und Plattform an der Westseite der Pyramide des Djoser
von Karol Mysliwiec
Dies war auch bei den jüngsten Ausgrabungen der Fall, die durch die «Polnisch-Ägyptische Archäologische Mission» westlich der Umfassungsmauer der Pyramide des Djoser in Sakkara weitergeführt wurden. Die 9. Kampagne fand von September bis Oktober 2004 statt und ihr primäres Ziel war die Reinigung des Gebietes zwischen der Umfassungsmauer der Pyramide und der Gräber von Merefnebef und Ni-anch-Nefertem, die vorher freigelegt wurden. Die Arbeiten brachten einige neue Strukturen ans Licht, vor allem aus dem Fels gehauene Schächte neuer Mastabas, die in das späte Alte Reich, d. h. die zweite Hälfte der 6. Dynastie, datiert werden.
Seite 6–7

Japanische Ausgrabungen an einem Hügel im Nordwesten Sakkaras
von Sakuji Yoshimura und Nozomu Kawai
Die japanische Mission der Waseda-Universität unter der Leitung von Sakuji Yoshimura und Nozomu Kawai hat ihre diesjährige Grabungssaison in Sakkara im September 2005 beendet. Die aktuellen Ausgrabungen konzentrierten sich auf das Umfeld einer (ca. 1 km nordwestlich des Serapeums befindlichen) geschichteten Steinmastaba aus dem frühen Alten Reich, die im Jahr 2002 entdeckt wurde. Da die Konstruktionstechnik dieser Struktur denen der Stufenpyramiden der 3. Dynastie ähnelt, ist es wahrscheinlich, daß sie in dieser Epoche errichtet worden ist.
Seite 8

Anmerkungen zum Bau der Pyramiden des Snofru
von Roman Gundacker
Um die Baufolge und Datierung der einzelnen Monumente innerhalb der Regierung Snofrus zu bestimmen, stehen nur die spärlichen Angaben in den Fragmenten des Annalensteines und die an den Monumenten selbst gefundenen Baugraffiti als direkte Quellen zur Verfügung. Weitere Informationen sind nur aus dem archäologischen Befund und den architektonischen Details der Monumente selbst zu gewinnen. Dieses Material bietet aber eine ausreichende Basis, um die bisher aufgestellten Folgerungen weiter zu präzisieren und zu vervollständigen, wobei im folgenden ausschließlich die königlichen Monumente, d. h. die Pyramiden samt den zugehörigen Tempelanlagen, diskutiert werden sollen.
Seite 9–23

Die Blockierungssysteme in Snofrus Pyramiden
von Nina Wolf
Wenn man an Blockiersysteme in Pyramiden des Alten Reiches denkt, so fallen einem zumeist drei hintereinander angeordnete Fallsteine ein. Betrachtet man aber die frühesten Pyramidenbauten, wird diese Blockierungsart (welche schon aus den Mastabas der Frühzeit bekannt ist) aber noch nicht verwendet. Die Tatsache, daß man sich in der Anfangsphase des Pyramidenbaus zu Beginn der 4. Dynastie in einer architektonisch experimentellen Phase befand, ist besonders gut am Befund der Blockierungssysteme zu erkennen. Speziell die Bauten Snofrus bestechen hierbei durch eine Vielzahl an Neuentwicklungen und zeugen vom Streben, ein funktionstüchtiges, aber dabei ebenso leicht zu konstruierendes wie zu bedienendes Blockierungssystem zu entwickeln.
Seite 24–30

Das Arbeiterheer der Cheops-Pyramide
von Michael Haase
Eng mit dem bis heute ungelösten Problem der Errichtung der monumentalen Königsgräber Altägyptens ist auch die Frage verbunden, wie viele Arbeiter unmittelbar am Bau der Pyramiden beteiligt waren. Repräsentative Schätzungen der Arbeitskapazitäten können meist nur punktuell innerhalb bestimmter Bauabschnitte aufgestellt werden und sind primär von der Auslastung des verwendeten Rampenmodells und den logistischen Möglichkeiten auf den Arbeitsplattformen des Pyramidenstumpfes abhängig. Die folgenden Berechnungen, die sich auf die größte Pyramide Ägyptens – die Cheops-Pyramide auf dem Giza-Plateau – beziehen, berücksichtigen diese Aspekte und sind nur als ein Baustein einer viel komplexeren Abschätzung zu verstehen.
Seite 31

Texte unter der Lupe: Pyramidentexte Spruch 434
von Alexandra von Lieven
Pyramidentexte Spruch 434 ist selbst nur recht kurz, er umfaßt die Paragraphen 784a–785d in K. Sethes Edition. Er ist bei Pepi I., Merenre und Pepi II. belegt, außerdem auf mehreren Särgen des Mittleren Reiches. Der Spruch ist Teil einer Sequenz von Sprüchen, die mit einer Ausnahme alle die Himmelsgöttin Nut in der 2. Person ansprechen. Diese ist selbst wiederum Teil der »Spruchfolge C« nach H. Altenmüller. Die in Rede stehende Sequenz umfaßt die Sprüche 427–435. Lediglich 435 fällt aus dem Rahmen, da hier Nut selbst spricht. 427 und 428 bitten Nut um Schutz für den König, über den sie sich ausbreiten soll. 429–431 thematisieren die Macht der Nut, die sich bereits vor ihrer Geburt noch im Mutterleib manifestierte. Diese Macht soll nun zum Schutz des Königs einge­setzt werden. 432 und 433 wenden sich mit derselben Intention der kosmischen Dimension der Göttin zu, in deren Gewalt sich Himmel und Erde, letztere durch ihren Gemahl Geb verkörpert, befinden. Der König soll ein »Unvergänglicher (d. h. zirkumpolarer) Stern« am Himmel sein. Der rituelle Rahmen der gesamten Spruchsequenz dürfte das Auflegen des Sargdeckels auf den Sarg gewesen sein. Die Identifikation desselben mit Nut ist über die gesamte ägyptische Geschichte hinweg eine Grundkonstante der funerären Vorstellungswelt, die in späteren Epochen reichlichen bildlichen Ausdruck ge­wann. Es muß daher nicht verwundern, wenn diese Sprüche auch auf Särgen auftauchen.
Seite 32–34

Internationale Ägyptologische Konferenz
»Abusir and Saqqara in the Year 2005«

von Jaromir Krejci
Das Tschechische Ägyptologische Institut der Karls-Universität in Prag setzte auch in diesem Jahr seine Tradition fort, Konferenzen zu veranstalten, die sich mit den Untersuchungen in der memphitischen Nekropole beschäftigen. Die erste Tagung dieser Art wurde im Jahr 2001 unter dem Titel »Abusir and Saqqara in the Year 2000« abgehalten. Sie folgte auf die Veröffentlichung eines Sammelbandes über die Nekropolen von Abusir, Sakkara und Dahschur Die damalige Konferenz, deren Ergebnisse im Magazin «Archiv orientalní» publiziert wurden zeigte deutlich, daß diese Gräberfelder ein untrennbares archäologisches und historisches Gebiet repräsentieren. Drei Jahre später wurde in Prag erneut eine Tagung veranstaltet, die sich mit der Zeit, Kunst und Archäologie des Alten Reiches beschäftigte. Beide Konferenzen wurden von ihren Teilnehmern als sehr erfolgreich eingestuft. Aufgrund dieser positiven Resonanz und der Absicht auch weiterhin Informationen über die neuesten Forschungen dieser Region zu sammeln und zu präsentieren, hat das Tschechische Ägyptologische Institut eine zweite Tagung über das Gebiet von Abusir und Sakkara organisiert. Die Veranstaltung wurde im Juni 2005 in den Räumlichkeiten der Karls-Universität abgehalten.
Seite 35–37

Tore in die Vergangenheit: Die Ägyptische Abteilung des Museums Schloß Hohentübingen
Ausgewählte Exponate des Alten und Mittleren Reiches

von Patricia Elsner
Die Tübinger Ägyptische Sammlung umfaßt annähernd 2000 Stücke unterschiedlichster Qualität und Größe. Die meisten Exponate sind Kleinfunde wie Amulette, Schmuckstücke, Bronzen usw. Es existieren aber auch wertvolle Objekte, die der Tübinger Sammlung über die Region hinaus und vor allem in der Fachwelt einen bedeutenden Ruf eingetragen haben. Hierzu gehört vor allem die Opferkammer des Wesirs Seschemnofer III., aber auch die Scheintür aus dem Grab seines Vaters Seschemnofer II. sowie gut erhaltene Särge aus der Zeit des Mittleren Reiches (2119–1794 v. Chr.) bis in die Römerzeit (ab 30 v. Chr.).
Seite 38–42

»Dornröschen« Assiut
Erste Ergebnisse einer Deutsch-Ägyptischen Grabungskooperation
von Jochem Kahl, Mahmoud el-Khadragy und Ursula Verhoeven
Die antike Nekropole der mittelägyptischen Stadt Assiut liegt auf dem Westufer des Nils, in dem am Fruchtlandrand ansteigenden Wüstengebirge. Der Bergrücken erreicht teilweise eine Höhe von fast 200 m über dem Meeresspiegel. Die Längenausdehnung der Nekropole beträgt mehrere Kilometer. Hunderte, vermutlich sogar Tausende, von in den Fels gehauenen Gräbern verleihen dem Berg das Aussehen einer Honigwabe. Steinbruchtätigkeiten, Grabräuberei, Touristengraffiti und Fledermausexkremente tragen und trugen seit Jahrhunderten zur Zerstörung der Gräber bei. Die meisten archäologischen Unternehmungen in der Nekropole blieben unveröffentlicht, die letzten größeren endeten vor 90 Jahren. Weder ein Nekropolenplan noch Bauaufnahmen der Gräber noch Faksimiles der Grabdekoration wurden bislang erstellt – mit geringen Ausnahmen durch die Französische Expedition nach Ägypten im Jahre 1799. Die Errichtung eines Militärcamps in der antiken Nekropole und islamisch-fundamentalistischer Terrorismus machten in den vergangenen Jahrzehnten neue Ausgrabungen unmöglich. Erst in den letzten Jahren entspannte sich die Situation im Raum Assiut, so daß der Weg frei wurde für internationale Veranstaltungen in der Stadt – u. a. auch für das «Asyut Project», das mit einem im September 2003 von Jochem Kahl und Mahmoud El-Khadragy unternommenen ersten archäologischen und epigraphischen Survey in der antiken Nekropole seinen Anfang nahm. Auf den Ergebnissen dieses Surveys basierend erfolgte dank der finanziellen Unterstützung der Johannes Gutenberg-Universität Mainz von August bis Oktober 2004 unter Leitung von Ursula Verhoeven, Jochem Kahl und Mahmoud El-Khadragy die erste archäologische Ausgrabung in der Nekropole von Assiut seit 90 Jahren. Durch die großzügige Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft können diese Arbeiten nun fortgesetzt werden.
Seite 43–47

Das »Labyrinth« von Hawara
von Wolfram Grajetzki
Wenn wir heutzutage an Ägypten und seine Monumente denken, dann fallen uns vor allem die Pyramiden von Giza, das Tal der Könige oder der Amun-Tempel in Karnak ein. In der Antike dagegen waren ganz andere Bauwerke im Blickfeld der Bewunderung. Eines davon ist das oft beschriebene und hoch geschätzte »Labyrinth« bei Hawara, am Eingang zum Faijum, ca. 75 km südlich von Kairo gelegen. Es handelt sich um einen Tempel oder Tempelkomplex, der sich bei der Pyramide von Amenemhet III. (ca. 1818–1772 v. Chr.) befunden hatte, und der, wenn man den Aussagen klassischer Autoren Glauben schenken darf, in seinen Ausmaßen und seiner Ausstattung anscheinend alles bisherige in den Schatten stellte. Die Anlage ist schon in römischer Zeit als Steinbruch benutzt worden. So ist es kaum verwunderlich, daß nur sehr wenig von diesem Tempel erhalten ist, obwohl der Ort auch immer wieder als Fundort für spektakuläre Objekte angegeben wird, die hier leider viel zu oft von Raubgräbern zutage gefördert worden sind. Was wissen wir eigentlich heutzutage über diese Anlage?
Seite 48–55

Im Bann des Osiris
Das Kammersystem der Pyramide des Taharqa in Nuri (Sudan)
von José Lull
Die größte Pyramide von Nuri stammt von Taharqa (690–664 v. Chr.), dem bedeutendsten Herrscher der 25. Dynastie. Diese Grabanlage hat in der Vergangenheit in zweierlei Hinsicht zu einer Reihe von Diskussionen geführt. Einerseits durch die für die damalige Zeit unübliche Komplexität des Kammersystems, dessen Grundriß mit dem Osireion von Abydos in Verbindung gebracht wurde, andererseits durch die Existenz einer weiteren Pyramide in Sedeinga, die ebenfalls Taharqa zugeschrieben wird. Beide Problemstellungen sind Gegenstand dieses Beitrages.
Seite 56–61

----- Nachrichten aus Ägypten und dem Sudan -----

Die Grabungen des «Tell Basta-Projektes» in den Jahren 2004 und 2005
von Christian Tietze
Seite 63

Tuna el-Gebel 2004-2005
von Dieter Kessler
Seite 64

Die Königliche Cachette TT 320
von Erhart Graefe
Seite 65

Das Projekt «MISR: Mission Siptah – Ramses X.»
von Hanna Jenni
Seite 66

Die Arbeiten am Tempel Amenophis' III. am Kom el-Hettan
von Hourig Sourouzian
Seite 67

Rettungsgrabungen in Nubien: H.U.N.E. 2005
von Mathias Lange und Julia Budka
Seite 68